Wanderer-Projekt 2014

3 Konzerte an unterschiedlichen Konzertorten

Im Wanderer-Projekt zeigt das modern art ensemble unterschiedliche Facetten des titelgebenden Mottos. Die verschiedenen Konzertorte der Konzertreihe, die ihren je eigenen Charakter in das jeweilige Programm hineingeben, symbolisieren selbst das Thema das Wanderns. Es wird in den präsentierten Werken in unterschiedlicher Hinsicht verdeutlicht: In den gesungenen Texten ebenso wie im Hinblick auf die philosophisch-ästhetischen Hintergründe der Kompositionen, in der Ausnutzung der akustischen Gegebenheiten der Räume ebenso wie im Hinblick auf die Übergänge, Klangverschmelzungen und Überlagerungen im konkret Kompositorischen.
Als Motto über den Konzerten könnte der Titel des Werkes von Luigi Nono stehen: "Hay que caminar" sognando . Aber wir müssen weitergehen, träumend (Luigi Nono). Ein tastendes, träumendes, unsicher ins Dunkle Weitergehen: Sinnbild  der Moderne.

Mit Uraufführungen von John Palmer (mit dem das Ensemble eine jahrelange Zusammenarbeit verbindet) und Thomas Gerwin wird die beeindruckende Liste von über 120 Uraufführungen erweitert. Die Zusammenarbeit mit der jüngeren Komponistengeneration wird durch die Aufführung von Werken von Aziza Sadikova, Valerio Sannicandro, Sarah Nemtsov und Olga Rayeva fortgesetzt. Mit der Aufführung der Werke von Sidney Corbett und Jakob Ullmann in der Paul Gerhard Kirche werden beeindruckende neue sprituelle Kompositionen im modernen und ästhetisch herausfordernden Kirchenraum realisiert. Am gleichen Ort: Mahlers die Moderne eröffnenden „Lieder eines fahrenden Gesellen“ in der Bearbeitung von Schönberg. Die weiteren Orte: Der Werner-Otto-Saal des Konzerthauses (mit den Werken der jüngeren Generation) und das „Theater in den Unterwelten“, ein Kellergeschoß an der ehemaligen Grenze der geteilten Stadt.

Konzert 3:
The streets
Samstag, 29.11.2014
Konzerthaus, Werner-Otto-Saal

Das modern art ensemble präsentiert eine lebendige Collage aktueller Kompositionen. John Palmers virtuose Soli und die Uraufführung seines neues Sextetts „Transparence“ für elektronisch verstärktes, verfremdetes Ensemble mit Solo-Viola und Klangzuspiel werden dem Werner-Otto-Saal des Konzerthauses neue klangliche Dimensionen abgewinnen. Diesen bewegten und klangfarbenreichen Kompositionen werden die einer jüngeren Generation gegenübergestellt: Thematisiert wird die Stadt in der Musik von Sarah Nemtsov und Olga Rayeva, die Gebiete der aufgehenden Sonne und der Kolorit Usbekistans in der Musik Valerio Sannicandros und Aziza Sadikovas.

Programm:

Sarah Nemtsov: Central Park / Manhattan oder Landzunge / New Jersey
(2011)
(Klavier mit Melodica, Piccoloflöte, Viola (con sordino) und Schlagzeug)

John Palmer:
Trans-solo 1 für Klavier (2010,UA)
Trans-solo 2 für Klarinette (2010)
Trans-solo 3 für Violine (2010, UA)
Trans-solo 4 für Violoncello (2010)
Trans-solo 5 für Flöte solo (2013, UA)
Trans-solo 6 für Viola (2013, UA)
Transparence  (2014, UA)
(Solo-Viola, Flöte, Klarinette, Violine, Violoncello, Klavier  und Elektronik)

Olga Rayeva: Autumn street
s relief (2003)
(Flöte, Klarinette, Violine, Violoncello und Klavier)

Valerio Sannicandro: Odi di Levante (2008)
(Flöte, Klarinette, Violine, Viola, Violoncello und Klavier)

Aziza Sadikova: Fraza (2007)

(Flöte, Klarinette, zwei Violinen, Viola, Violoncello, Klavier und Schlagzeug)


modern art ensemble
Jean-Claude Velin, Viola

Klaus Schöpp, Flöte - Unolf Wäntig, Klarinette - Theodor Flindell, Violine - Lisa Werhahn, Violine
Matias de Oliveira Pinto, Cello - Yoriko Ikeya, Klavier
- Sabrina Ma, Schlagzeug
John Palmer & Heloise Ph. Palmer, Klangregie und Elektronik

Konzert 2
Wanderer - Spuren
Sonntag, 21.09. 2014
Paul Gerhardt Kirche Schöneberg

Die beeindruckende Architektur der Paul Gerhard Kirche stellt den Ort des Konzertes. Mahlers Lieder eines fahrenden Gesellen thematisieren das Nicht-Beheimatet-Sein noch ganz in der Sprache der Romantik (und in der Tradition Schuberts) und stehen doch an der Schwelle zur Moderne, was nicht zuletzt durch das Interesse Schönbergs an diesem Werk verdeutlicht wird. Jakob Ullmanns Kol 1 bezieht sich unter anderem auf Schönbergs „Kol Nidre“, das im Zentrum des Werkes zitiert wird. Das „Kol Nidrei“ der jüdischen Liturgie betont die Freiheit des Menschen, der sich von allen falschen Gelübden lossagt und seine Bindung zu Gott erneuert. Sidney Corbetts Rasch ist eine Vertonung von Textfragmenten Roland Barthes, in denen es um den existentiellen Zwiespalt zwischen sinnlicher Attraktion und geistiger Wahrheit geht, um die Fragen nach emotionaler und ethischer Verortung in unserer Gegenwart.

Programm:

Gustav Mahler/Arnold Schönberg:  Lieder eines fahrenden Gesellen (16') (1884/1919)
(Bariton, Flöte, Klarinette, Klavier, Akkordeon, Percussion, 2Violinen, Viola, Cello, Kontrabass)

Jakob Ullmann: kol 1 (30') (2000)
(Flöte, Oboe, Klarinette, Percussion, Violine, Viola, Cello, Kontrabass)

Sidney Corbett: Rasch (20') (2010)
(Bariton, Klarinette, Viola, Cello, Klavier)

Bariton: Simon Berg
Sopran: Irene Kurka
Dirigent: Gerd Herklotz

modern art ensemble
Klaus Schöpp, Flöte - Unolf Wäntig, Klarinette - Peter Michel, Oboe - Christine Paté, Akkordeon
Theodor Flindell, Violine
- Lisa Werhahn, Violine - Jean-Claude Velin, Viola
Matias de Oliveira Pinto, Cello
- Lars Burger, Kontrabass - Yoriko Ikeya, Klavier
Thomas Ringleb, Perkussion

Konzert 1:
verschattet
Mittwoch, 21.05. 2014
Theater in den Unterwelten Brunnenstraße 143

Ein Konzert im Untergrund Berlins, ein ehemaliger Brauereikeller direkt neben einem historischen Fluchttunnel in der Brunnenstraße. Unstet, unruhig, tastend. Fragmente von Tradition, hineinwehend. Unterweltklänge: Die präzise kompositorische Beschreibung der unterschiedlichen Klangfarben und Spieltechniken in den Kompositionen des Programmes bringen den Raum auf unterschiedlichste Weise zum Klingen, verwandeln ihn von einem historischen Ort in einen Klangraum. Musik und Raum durchdringen sich und beleuchten sich gegenseitig in immer neuen Perspektiven.
Auf einer Klostermauer im spanischen Toledo entdeckte Luigi Nono (1924-1990) Mitte der 80er Jahre die Inschrift "Caminantes, no hay caminos. Hay que caminar"
- zu deutsch etwa: "Wanderer, es gibt keine Wege. Und doch müssen wir gehen." Diese Inschrift wird zum Programm seines Violinduos, dessen Titel er noch das Wort: "Sognando hinzufügt - träumend. Das Echo des Klanges, das Aufleuchten der Gedanken ist Thema des Werkes von Walter Zimmermann (Schatten der Ideen), der damit an das Werk Nonos anknüpft. Jakub Sarwas' Trios sind Erkundungen von Klangfarben und  ihren Ausdrucksmmöglichkeiten. Im Mittelpunkt des Konzertes: Die Uraufführung von Susanne Stelzenbachs  „associazione d'idee“ für Flöte und Sopran, Kompositionsstipendium des Berliner Kultursenates 2013. In diesem Stück bringt Susanne Stelzenbach die Extreme der Tonlagen zum Klingen (insbesondere auch durch die Verwendung von Piccolo und Kontrabassflöte), sie läßt die Sängerin instrumental agieren und den Flötisten quasi sprechend. Zum Abschluß läßt Thomas Gerwin in seinem neuen Werk „Klangwege“ die Klänge der Instrumente und des Soprans mit einer genau kalkulierten Choreographie durch den Raum wandern - eine konkrete Antwort auf die tastende und fragende Musik Nonos zum Beginn des Konzertes.

Programm:

Luigi Nono: "Hay que caminar" sognando, Teil 1 und 2 (1989) für zwei Violinen

Walter Zimmermann: "Echoes/Umbrae Idearum" (2000)
(Sopran, Flöte, Klarinette, Violine, Viola, Cello)

Jakub Sarwas: "Three O/1" (2005)
(Flöte, Klarinette, Violine)

Susanne Stelzenbach: "associazione d'idee" für Sopran und Flöte(n) (2014 UA)

Jakub Sarwas: "Three O/2" (2005)
(Altflöte, Bassklarinette, Viola)

Thomas Gerwin: "Klangwege" (2014, UA)
(Sopran, Flöte, Klarinette, Violine, Viola, Violoncello)


Katia Guedes, Sopran

modern art ensemble
Klaus Schöpp, Flöte - Unolf Wäntig, Klarinette - Theodor Flindell, Violine
Jean-Claude Velin, Viola - Matias de Oliveira Pinto, Cello
- Yoriko Ikeya, Klavier


Konzert atonale
Freitag, 10. 01. 2014
Staatsoper im Schillertheater / Werkstatt

Im Atonale e.V. haben sich 2009 namhafte Berliner Komponisten zeitgenössischer Musik zusammengeschlossen, die allesamt auch in Einzelprojekten massgeblich die aktuelle Berliner Musikszene mitgestalten. In diesem Konzert stellen sich die Mitglieder mit Werken vor, deren Entstehungszeiten schwerpunktmässig in den letzten Jahren liegen und die damit auch einen repräsentativen Querschnitt derzeitigen Berliner Musikschaffens zeigen.


Christine Paté und Franka Herweg, Akkordeon

modern art ensemble
Klaus Schöpp, Flöte - Unolf Wäntig, Klarinette - Theodor Flindell, Violine
Jean-Claude Velin, Viola - Matias de Oliveira Pinto, Cello
- Yoriko Ikeya, Klavier

Programm:

Helmut Zapf: Albedo V (2001)
(Flöte, Klarinette, Violine, Viola, Cello und Klavier)

Rainer Rubbert: Essentials für 2 Akkordeons (2012)

Samuel Tramin: "Vom Fremden und ..." für Klavier solo (2010)

Susanne Stelzenbach: jagen.stille (2006)
(Altflöte, Klarinette und Streichtrio)

Martin Daske: Notensetzen  I (2010) für Akkordeon, Klarinette und Live-Elektronik

Thomas Hennig: Legende (2013, UA)
(Altflöte, Klarinette in b, Violine und Cello)

Laurie Schwartz:"drifts, remixed" (2014) für elektronisch verstärkte Baßflöte und Zuspiel

Gabriel Iranyi: "Quartett für Flöte, Violine, Violoncello und Klavier“ (2009)

Eres Holz: Quartett (2010)
(Flöte, Klarinette, Viola, Klavier)

Stefan Lienenkämper: Intensitäten (2008) für Violine und Akkordeon

Mayako Kubo: Auszüge aus „Mauerfragmente“ (1994)
(Flöte, Klarinette, Violine, Viola, Cello und Klavier)


Die blassen Herren mit den Mokkatassen
Mittwoch, 11.12.2013
Konzerthaus, Werner-Otto-Saal

Die Sprache dieser Zeitungscollagen von Herta Müller sprüht vor Musikalität, ähnlich der in Pierrot Lunaire von Albert Giraud, was Schoenberg einst zu seinem Zyklus inspiriert hatte. Berthold Tuerckes Projekt ist ähnlich zyklisch angelegt und für die gleiche Instrumentalbesetzung gedacht wie Schoenbergs Werk, allerdings mit extremer farblicher Ausrichtung: die tiefen Flöten bis zur Baßflöte sind dabei, ebenso wie die Baßklarinette; das Klavier wird reichlich "inside" gespielt, also auf den Saiten. Außerdem betätigen die Musiker noch Perkussion-Instrumente. Die Sprechstimme kann sowohl eine Männer- als auch eine Frauenstimme sein. Die Vertonungsrechte wurden Berthold Tuercke von Herta Müller persönlich erteilt. Im ersten Teil des Konzertes: Alfred Schnittkes Klavierquintett, ein eindrückliches Dokument der bleiernen Zeit in der Sowjetunion.

Programm:

Alfred Schnittke: Klavierquintett (1972-76)

Berthold Tuercke:
Die blassen Herren mit den Mokkatassen (2013, UA)
(Stimme, Flöte, Klarinette, Violine, Viola, Violoncello und Klavier)

Berthold Tuercke, Stimme

modern art ensemble
Klaus Schöpp, Flöte - Unolf Wäntig, Klarinette - Theodor Flindell, Violine
Mai Kawabata, Violine - Jean-Claude Velin, Viola - Matias de Oliveira Pinto, Violoncello
Yoriko Ikeya, Klavier


CD Release:

Sidney Corbett - The Longings

Edition Kopernikus 2013
Produktion Rundfunk Berlin Brandenburg 2011

Sidney Corbett:
Gesänge der Unruhe
Im Angesicht des Zweiflers
The Celestial Potato Fields
The Longings
Aktuell